Betrug bei Dating-App Lovoo? Millionen Credits im Wert von 50-70.000 EURO
12.06.2021 12:05

Betrug mit Millionen Credits bei der Dating-App Lovoo? Streamer verlieren hohe Geldsummen

© Foto: imago / xcitepress

Bereits 2016 berichteten die großen Medien wie der Stern, Spiegel oder die Zeit über die Betrugsmasche mit Fake-Accounts aus dem Hause Lovoo. Nach einer Groß-Razzia wurden die Gründer verhaftet. Seitdem ist es still um Lovoo geworden, denn der interne Geldtransfer hat sich zunehmend verlagert. Mit der neuen Streaming-Funktion generiert Lovoo Umsätze in Millionenhöhe und bietet Streamern einen lukrativen Nebenverdienst an. Plötzlich folgte vor zwei Wochen der Supergau: Lovoo zog aufgrund eines angeblichen Betrugs, mehreren Streamern Millionen supportete Diamanten vom Bilanz-Konto ab, die folglich gegenüber Lovoo ins Minus rutschten. Eine uns bekannte Streamerin verzeichnet dadurch ca. 20.000 Euro Schulden gegenüber Lovoo, für Leistungen, die nicht erbracht wurden.  

Die Dating-Plattform Lovoo ist eine Wissenschaft für sich. Nach dem großen Betrugs-Skandal aus 2016 wurde das in Dresden gegründete Unternehmen im September 2017 für rund 60 Millionen Euro an den US-Wettbewerber "The Meet Group" verkauft. Dieser wiederum wurde 2020 für rund 500 Millionen US-Dollar vom deutschen Free TV-Anbieter ProSiebenSat.1 und ihrem Partner "General Atlantic" übernommen. Zu dem Unternehmen zählen neben Lovoo auch MeetMe und Tagged. Aktuell wird die Lovoo GmbH in Dresden von den Geschäftsführern Anna Maria Wanninger und Claudio Di Vincenzo geführt. 


Verdienst bis 63.000 Euro pro Monat möglich

Dating-Plattformen haben sich als ein attraktives Geschäftsmodell erwiesen, besonders, wenn den Nutzern mit Fake-Profilen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Neben der kostenpflichtigen Dating-Funktion durch eine Premium-Mitgliedschaft für rund 120,00 Euro im Jahr, je nach gewählter Zahlungsmodalität, bietet Lovoo eine Live-Stream-Funktion an. Die Nutzer können streamen und echtes Geld verdienen. Das Modell ist simpel und äußerst gewinnbringend, indem die Streamer mit virtuellen Geschenken von anderen Lovoo-Usern supportet werden können. Dabei geht es um sehr viel Geld. Es bilden sich unter den Streamern große Fan-Communites und nach einem Ranking-Verfahren werden die umsatzstärksten Streamer mit einem Top-Button seitens Lovoo ausgezeichnet und gemanagt. Durch die täglichen Contests (Dias-Wettkämpfe) werden User dazu animiert, Geld auszugeben. Es gib Top-Streamer auf Lovoo, die am Tag bis zu 4 Millionen Diamanten und mehr erhalten. So fiktional die Geschenke für den Laien erscheinen mögen, umso echter ist das Geld, welches sich dahinter verbirgt. 4 Millionen Credits kosten im Lovoo Premium-Onlineshop rund 14.000 Euro (proportional am Black-VIP Paket berechnet). Davon behält Lovoo ca. 43% ein und der Rest (57%) wird anteilig den Streamern gutgeschrieben. Die Umwandlung von Credits in Diamanten erfolgt direkt beim Supporten auf der eingeblendeten Dias-Bilanz im Stream. Somit werden aus vier Millionen supporteten Credits vier Millionen Diamanten, die sich die Streamer zu einem festgelegten Kurs (1 Million Dias = 2.000 Euro) in Credits umwandeln oder per Cashout auszahlen lassen können. So generiert mancher Top-Streamer täglich einen Umsatz von rund 8.000 Euro Cash; in Ausnahmefällen noch mehr. Auf der "Wall-Of-Fame" der Lovoo-App sind Top-Streamer gelistet, die innerhalb von einem Jahr rund 380 Millionen Dias (760.000 Euro) verdient haben. Das ergibt ein monatliches Brutto-Einkommen von 63.000,00 Euro, das steuerpflichtig ist. Bereits kleine, noch relativ unbekannt Streamer schaffen es bereits, monatlich etwa 2.000 Euro zu verdienen, wie beispielsweise ein 20-jähriger Bildhauer aus Österreich, der seine Arbeiten live streamt.


Nutzer zahlen 9.000 Euro und mehr pro Monat an Lovoo

Nutzer zahlen 9.000 Euro und mehr pro Monat an Lovoo

© Foto: dEERbrands (Profilfotos und Namen sind unkenntlich gemacht)

Wie können solche beachtlichen Geldsummen generiert werden? Es gibt zahlreiche kreative Streamer, die interaktive Live-Shows anbieten und je na Beliebtheitsgrad durch unterschiedliche Nutzer supportet werden. Der eine oder andere punktet einfach mit seinem Aussehen. Damit derartige Geld-Summen zustande kommen, bietet Lovoo in einem Premium-Onlineshop (https://premium.lovoo.com) sogenannte VIP-Pakete an, die bei 499,99 Euro (Grün-VIP) beginnen und bei 8.999,99 Euro (Black-VIP) enden. Es herrscht manchmal ein regelrechter Konkurrenzkampf zwischen Top-Streamern und Top-Supportern, wenn man die Streams auf der Lovoo-App verfolgt. Jeder will den anderen überbieten und Streitigkeiten stehen oft an der Tagesordnung. Ein Top-Streamer klagte in seinem Stream über Telefonterror und Drohungen, sodass er sich eine Zeit lang auf Lovoo zurückzog.
 
Lovoo bietet eine ganze Palette an Geldgeschenken an: Von 5 Credits (Ente) bis hin zu 200.000 Credits (Eis-Drache) gibt es eine Vielzahl animierter Contents für „Gönner“. Das Ziel ist immer das Gleiche, wie ein Insider gegenüber unserer Redaktion erklärt: "Top-Streamer sollten mindestens 600.000 Diamanten pro Monat generieren, sonst verliert man schnell den Top-Button und rutscht im Ranking weiter runter." Es gibt Streamer, die für 2k-Geschenke (2.000 Credits) einen Shot Wodka trinken, sich regelrecht besaufen und von der Community gefeiert werden. Hauptsache der Rubel rollt. Geldwerte in Millionenhöhe fließen bei Wettbewerben. Lovoo beschenkt auch die Streamer, die in der Contest-Zeit die meisten Diamanten gesammelt haben. So gewann z. B. ein Streamer bei einem Contest 1.000 Euro und ein Supporter 50.000 Credits. Wohlgemerkt sammelte der Streamer im Wettbewerb rund 12 Millionen Diamanten (24.000 Euro) und der Top-Supporter hatte 3.999,98 Euro für 1,14 Millionen Credits im Lovoo-Shop ausgegeben.
 
Die Dating- und Streaming-App ist eine Welt für mutwillige und kreative Menschen, die ein starkes Neben- oder Haupteinkommen suchen, aber auch für de-sozialisierte Mensch, die für ihr Selbstwertgefühl schnell in eine Schuldenfalle tappen. Solange alles nach „bestem Gewissen“ läuft, sollte man meinen, dass Lovoo mit einem Innovations-Preis ausgezeichnet werden müsste. Wenn man so schnell reich werden könnte, dann wäre wohl die ganze Menschheit auf Lovoo aktiv. Dem ist aber nicht so und das aus gutem Grund. Bei einer Meinungsumfrage wurden Bedenken an ein Schneeball-System geäußert. Der Image-Schaden aus 2016 hängt der Dating-App wohl möglich bis heute hinterher und ob noch Fakeprofile im Umlauf sind, ist nicht bekannt.

 

Ein Betrugsfall zeichnet sich bei Lovoo ab

Vor zwei Woche ereignete sich ein sonderbarer Fall auf Lovoo, der nicht nur für Verwirrung sorgte, sondern einige Streamer in die Schuldenfalle zwang. Eine Streamerin auf Lovoo, die relativ neu ist, hatte einen Dias-Stand von rund 1,1 Millionen. Plötzlich kam ein Black-VIP-User mit dem Nickname HateMe* in ihren Stream und supportete 10 Millionen Credits/Dias, sodass sie an dem Abend 20.000 Euro verdiente. So erging es vielen weiteren Streamern, die von HateMe* besucht wurden. Das Profil war "neu" angelegt und erreichte innerhalb weniger Tage einen Supporter-Level von 91. Für die Menge an supporteten Credits erreichen die User unterschiedliche Level-Stufen. Der einzelne Level-Sprung ist an eine bestimme Anzahl an supporteten Credits geknüpft, die in XP ausgegeben werden. Die Begründung seitens Lovoo liegt darin, dass die Supporter durch ein hohes Level Ansehen bei den Streamern erlangen. Durch einen Insider haben wir erfahren, dass ein Nutzer mit einem Level von 53 rund 6,3 Millionen Credits supportet haben muss. Die Stufen sind allerdings unterschiedlich gestaffelt. Ab Level 50 müsste man 1 Million Credits supporten, um ein Level weiterzukommen. Somit müsste der User HateMe* umgerechnet ca. 45 Millionen Credits supportet haben und im Lovoo Premium-Shop Pakete im Wert von rund 155.000 Euro gekauft haben (innerhalb einer Woche). Es ist aber davon auszugehen, dass der Wert bei 50 Millionen Credits/Dias liegt, weil bist heute noch den Streamern Dias abgezogen werden. So reich manch einer auch sein mag, ist die Chance ziemlich gering, dass ein User in einer Woche eine "Eigentumswohnung" in Lovoo hineinsteckt, um fremde Menschen zu supporten. Zumindest ist das ein Fall, der sich vor 1,5 Jahren, in fast der gleichen Art und Weise, ereignete, mit den gleichen fatalen Folgen für die betroffenen Streamer: Verdiente Dias werden abgezogen. Allerdings handelte es sich damals um einen Lovoo-Nutzer aus der Schweiz, der an einem Abend ca. 50 Millionen Credits supportete. Der jetzige Fall mit HateMe* weist auf einen User aus Dortmund hin, wobei anzumerken ist, dass der Standort manuell falsch angegeben werden kann. Ob der Supporter tatsächlich aus Dortmund kommt oder ob es sich nur um ein Fake-Profil handelt, lässt sich nicht nachweisen. Lovoo gab nun seinen Streamern bekannt, dass im Fall von HateMe* ein Betrug vorliegt und die Transaktion (Geldwert) zurückgebucht wurde, weil z. B. das Konto nicht gedeckt war. Der Zahlungsanbieter forderte den Rechnungsbetrag der gekauften Credits zurück. In der Zwischenzeit hatte der User HateMe* die gekauften Credits von Lovoo erhalten, diese wiederum an andere Streamer supportet. In einer E-Mail von Lovoo an einen Streamer, der anonym bleiben will, steht geschrieben: "Hallo […], leider haben wir feststellen müssen, dass ein Teil deiner Diamanten, die du während deiner Streams erhalten hast, eine missbräuchliche Herkunft aufweisen. Das bedeutet, dass die Credits des Schenkers, die er/sie in Diamanten umgewandelt hat, durch betrügerisches Handeln erlangt wurden. Da für diese Diamanten kein entsprechender Gegenwert in Geld vorliegt, müssen wir bedauerlicherweise die entsprechenden Diamanten […] von deiner Gesamtbilanz wieder abziehen [...]." Fazit: Der Nutzer HateMe* konnte mit einer nicht gedeckten Kreditkarte VIP-Pakete erwerben und erhielt die Credit-Codes von Lovoo zum Aufladen seines Nutzerkontos. Diese Begründung macht misstrauisch, weil es weder technisch noch rechtlich möglich sei. Unsere Redaktion wurde von betroffenen Streamern kontaktiert und sie baten uns um eine Berichterstattung. Daher haben wir mit Fachleuten aus dem Bankwesen telefoniert und den Fall geschildert. Alle vier Banken, zwei Kreditinstitute und PayPal widersprechen den Ausführungen einer Rückbuchung.
 
Neue Betrugsmasche bei Dating-App LOVOO? Betrugsfall zeichent sich ab© Foto: Jannoon028

Wie schon angegeben, muss der Nutzer im Lovoo Premium-Onlineshop mehrere große Pakete gekauft haben. Der Wert lässt sich nur hochgerechnet, aufgrund des Supporter-Levels und den Insiderinformationen, auf 50 Millionen Credits (175.000 Euro) schätzen. In dem Onlineshop unter der URL https://premium.lovoo.com können die Käufe nur per „PayPal“ oder „Kreditkarte“ (Master/Visa) abgewickelt werden. Dabei findet im Cashout eine Identifizierung des Karteninhabers statt. Wenn der Käufer den Rechnungsbetrag nicht decken kann, dann kann der Kauf technisch, sowie rechtlich nicht durchgeführt werden und wird automatisch abgelehnt. Erstaunt äußerte sich auch die Kreditabteilung einer Bank in Bayern zu dem Vorfall: "Eine Kreditkartenzahlung in der Höhe ist eigentlich nicht üblich. Derartige Kreditkarten-Limits erhalten von uns nur Multimillionäre die Yachten besitzen, weil die mal eben eine Tankrechnung über 8.000 Euro zahlen müssen. Abgesehen davon, wenn sich der Fall so zugetragen hätte, dann wäre bei der Onlinebezahlung mit der automatischen Kartenprüfung des jeweiligen Zahlungsanbieters, ob Mastercard, Visa oder PayPal, die Transkation auch erfolgt. Der App-Anbieter erhält das Geld, das auch nicht willkürlich zurückgebucht werden kann, auch nicht im Nachgang, wenn das Girokonto des Käufers vom Kreditkarteninstitut nicht hätte belastet werden können. Der Käufer bleibt der Schuldner gegenüber Mastercard, Visa oder PayPal nicht der Verkäufer. Es würde ein zweiter Abbuchungsversuch stattfinden und danach das Mahnverfahren, bis hin zur gerichtlichen Zwangsvollstreckung. Die Unternehmen als Verkäufer zahlen begründet Transaktionsgebühren, damit diese das Geld in Treue erhalten. Nur wenn der Verkäufer die Ware nicht geliefert hat, könnte ein Käuferschutzantrag gestellt werden. Selbst dann wird der Verkäufer vom Institut angeschrieben, der den Nachweis für die gelieferten Ware erbringen muss. Nur wenn in diesem Fall der App-Anbieter die Credits nicht an den Käufer ausgeliefert hätte, könnte die Transaktion widerrufen werden. Die Regelungen finden sich auch im BGB wieder. Der Prozess ist nicht ohne wirklichen Grund auszuüben. Die gleichen Regelungen gelten für den Zahlungsanbieter PayPal. Bezahlungen mit Kreditkarte oder PayPal sind sichere Zahlungsoptionen, die dem Käufer das Geld für erbrachte Dienstleistungen oder Waren garantiert, auch in rechtlicher Hinsicht. Außerdem gewähren wir als Bank solche Kreditrahmen nur, wenn demensprechend Sicherheiten vorliegen."


Zusatzbedingungen sollen Einbehalt von Diamanten rechtfertigen 

Wie konnte es nun zu der Rückbuchung mit betrügerischen Absichten vorkommen, wie es Lovoo seinen Streamern per E-Mail vermittelt, um letztendlich Diamanten vom Bilanz-Konto abziehen zu können? Dazu wurde unsere Redaktion auf die „Zusatzbedingungen für das Diamanten-System“ aufmerksam. Dort räumt sich Lovoo unter Ziffer 4a) folgendes Recht ein: „Lovoo ist berechtigt, Diamanten, die für Umsätze gutgeschrieben wurden, zurückzubuchen, wenn der Zuschauer für den Kauf der In-App-Credits nichts geleistet hat. Die Nichtleistung des Kunden liegt insbesondere vor, wenn der Zuschauer vom Kauf der In-App-Credits zurücktritt, sie widerruft oder anfechtet oder der Zahlung nicht nachkommt oder für eine geleistete Zahlung eine Rückbuchung erfolgt.“
 
Unter Ziffer 4 werden Rückbuchung, Verfall, Aufrechnung und Einbehalt von Diamanten und Diamantenstand begründet. Der Absatz a) ist widersprüchlich, räumt Lovoo zwar vorläufig ein Recht ein, Diamanten zurückzubuchen, ist jedoch in seine Beschaffenheit nicht möglich. Die Recherchen ergaben, dass Kreditinstitute ganz klar darstellen, dass keine Rückbuchung hätte stattfinden können. Der Käufer HateMe* hatte nach der erfolgreichen Transaktion, ob mit Kreditkarte oder PayPal, die Menge der gekauften Credits erhalten und diese auch in der App an unterschiedlichen Streamern verschenkt. Somit wurde die Ware und/oder Dienstleistung ausgeliefert. Der Käuferschutz ist hiermit erloschen. Die zweite Tür, die sich Lovoo mit den Bestimmungen offenhält, ist die Widerrufsbelehrung, die jedoch beim Kauf der In-App-Credits nicht greift und nichtig ist. Im Onlineshop, so auch bei Lovoo, sind die Käufe der Credits aufgrund der rechtlichen Bestimmungen für „digitale Güter“ vom Widerrufsrecht befreit. Der Käufer muss vor der Zahlungsabwicklung im Warenkorb den „Verzicht auf Widerrufsrecht“ bestätigen, sonst ist keine Transaktion möglich. Widerrufsrecht gilt nur bei physischen Waren. Im Premium Online-Shop ist folgende Bestimmung vom Käufer zu akzeptieren: „Ich stimme der Ausführung des Vertrages (Kauf) vor Ablauf der Widerrufsfrist ausdrücklich zu. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass mein Widerrufsrecht mit Beginn der Ausführung des Vertrags (Kaufs) erlischt […].“
 
Wir hatten die Presseabteilung von Lovoo angeschrieben und um ein Interview gebeten. Alle von uns gestellten Fragen wurden bis heute nicht beantwortet. Wir haben Lovoo darüber unterrichtet, dass, wen wir keine Antwort bis zum benannten Datum erhalten, dies als Schweigen deuten und ohne eine Stellungnahme über den Vorfall berichten werden. Um Missverständnisse zu vermeiden, baten wir ausdrücklich um eine ordentliche Stellungnahme.

 

Kontostand im Minus – Steamer tragen Schulden eines Dritten

Schuldenfalle Lovoo bei Streamern - Bertrug bei Lovoo?© Foto: Wayhomestudio

Lovoo bucht seit über einer Woche Diamanten bei Streamern ab, die von HateMe* supportet wurden. Auffällig ist auch, dass ausschließlich kleinere Streamer, mit einer niedrigen Bilanzsumme, von der Rückrufaktion und dem angeblichen Betrugstatbestand betroffen sind. Eine Streamerin, wie wir schon im Bericht erwähnten, hatte in Ihrem Bilanz-Konto ca. 1,1 Millionen Diamanten. Sie erhielt rund 10 Millionen Dias (20.000 Euro) von HateMe*, die nun abgezogen wurden. In der Zwischenzeit konnte die Streamerin die Dias per Cashout auszahlen lassen. Die 10 Millionen Diamanten wurden ihr nun von Lovoo abgezogen, sodass Ihr Bilanzkonto ein Minus von 10 Millionen aufweist. Da die Streamerin jetzt gegenüber Lovoo Schuldnerin ist, muss sie ihr Konto ausgleichen. Es wird ersichtlich, wie Lovoo in solchen Fällen Geld verdienen könnte. Die -10 Millionen Dias müssten mit gekauften Credits ausgeglichen werden. Wie im Onlineshop für In-App-Credits ersichtlich ist, kosten 10 Millionen Credits, proportional am VIP-Black Paket berechnet, stolze 35.000 Euro. Die Streamerin hatte allerdings für die 10 Millionen Credits 20.000 Euro bekommen. Folglich dessen zahlt die betroffene Nutzerin 15.000 Euro aus ihrer eigenen Tasche drauf. Auch andere Streamer klagen über Minuskontostände. Wie in diesen Fällen Lovoo agiert, ist uns nicht bekannt. Wir wissen nicht, ob Lovoo den Streamern die Möglichkeit und Zeit gewährt, das Defizit durch normalen Support im Stream auszugleichen oder letztendlich nach einer bestimmten Frist die Geldbeträge einfordert. Noch gestern teilte uns ein Insider mit, dass Top-Streamer eine Gruppe gegründet haben und für 2 Tage unter dem Hashtag „!!WeSayStop!!“ streiken, damit Lovoo in der Zeit kein Geld verdient. Außerdem hätten bereits einige betroffene Streamer einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um gegen Lovoo vorzugehen. Es gibt sicherlich Zufälle im Leben. Ob nun wirklich ein Betrug vorliegt, können und wollen wir mit diesem Artikel nicht klären oder andeuten. Wir wissen nur, dass sich dieser Vorfall zum zweiten Mal auf Lovoo ereignet. Alles was vor 1,5 Jahren liegt, konnten wir nicht recherchieren. Defacto ist, dass die Begründung seitens Lovoo, gegenüber den Nutzern, unzureichend ist und zum Hinterfragen auffordert. Aufgrund dessen, dass Lovoo mit rund 10 Millionen Nutzern zu eines der größten Dating-Apps zählt, besteht hier ein eindeutiges Interesse der Öffentlichkeit. Bereits 2016 bewies Lovoo, dass kriminelle Handlungen seitens der Geschäftsführung durchaus üblich sein können. Aus diesem Grund sollten Rückbuchungsaktivitäten mit so hohen Geldwerten transparent gegenüber den betroffenen Nutzern kommuniziert werden. Wir von der Redaktion waren selbst Undercover auf Lovoo und konnten folgende Reaktionen feststellen:
 
Wir waren in einem Stream eines betroffenen Nutzers online. Nach unserer E-Mail an Lovoo dauerte es keine 3 Stunden, bis plötzlich eine Nutzerin als Gast in den Side kam und den Streamer aufforderte, sofort offline zu gehen und mindestens für eine Woche nicht mehr zu streamen. Außerdem sollte der Name HateMe* nicht mehr im Stream genannt oder geschrieben werden. Lovoo hätte gerade sechs Streamer für ein Jahr verbannt/gesperrt, die von der Betrugsmasche betroffen waren. Darüber hinaus mussten wir feststellen, dass ein bestimmter Streamer-Kreis (Community) stark betroffen war, wo sich alle untereinander kennen und auch gegenseitig supporten. Somit ist eine Kettenreaktion entstanden, bei der die illegalen Dias weiter supportet und somit den indirekt betroffenen Streamern im Nachgang abgezogen wurden. Diese Vorgehensweise ist sehr intransparent für die betroffenen Streamer.
 

Folgende Sachverhalte sprechen dafür, dass die durch Lovoo einbehaltenen Diamanten gegenüber den Streamern detaillierter begründet werden sollten: 

  1. Zahlungen/Transaktionen mit Kreditkarte und PayPal sind wie „Sofortüberweisung“ autorisiert und eine Rückbuchung nicht möglich. 
  2. Widerrufsrecht gibt es bei digitalen Gütern nicht und stellt keine Begründung dar. 
  3. Ein Käuferschutz konnte nicht beantragt werden, weil nach erfolgreicher Zahlung die digitale Ware/Dienstleistung an den Käufer übermittelt wurde. 
  4. Das Betrugskonto HateMe* wurde neu angelegt und agierte mit einem untypischem Kaufverhalten.

Wir von der Redaktion können nur allen betroffenen und geschädigten Personen Mut zusprechen und hoffen, dass sich in Zukunft solch ein Fall nicht wiederholt und dass sich die Sachlage klären lässt. Bei den hohen Umsätzen, die ein Streamer auf Lovoo erzielen kann, mag es fraglich erscheinen, ob man nicht den aktuellen Betrugsfall als Streamer in Kauf nimmt oder sich an einen Rechtsanwalt oder die Verbraucherzentrale wendet. Letztendlich können sich nur die betroffenen Nutzer juristisch wehren, hingegen wir nur berichten können.  


Disclaimer 

Nachgehend unserer Recherche weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass stets die "Unschuldsvermutung" gilt und überwiegt. Dies bedeutet auch, das strafrechtliche Vorwürfe, Vermutungen und/oder Erschließungen, die sich aus dem Bericht subjektiv herleiten lassen könnten und/oder würden, nichtzutreffend sind oder nicht sein müssen. 
 
*Der ausgewiesene Nickname "HateMe" im Artikel wurde zur Wahrung der Identität als Pseudoname vergeben und entspricht nicht dem realen Namen auf Lovoo.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lovoo

■ ⁣MC

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