14.07.2020 18:41

Bankrottify in der Schuldenfalle - So will sich Spotify retten

© Foto:  Pixabay, StockSnap / Edit: dEERbrands music&media UG

Schlägt die Gerechtigkeit zurück? Die Marktentwicklung der Streamingdienste wie Spotify & Co hat die weltweite Musikindustrie auf Kosten der Künstler in den Ruin getrieben. Mit schlappen 0,0034 € pro Stream rechnet sich keine Musikproduktionen mehr. Während der Umsatz für das Label und/oder dem Künstler bei 100.000 verkauften CD's rund 1.400.000,00 Euro betrug, könne mit 100.000 Streams maximal 340,00 Euro verdient werden.

Labels mussten mit 360° - Verträgen umdenken. Eine Albumproduktion kostet rund 20.000-30.000 Euro. Um plus-minus-null zu wirtschaften, müsste mit einem Album rund 9 Milliarden Streams erzielt werden. Kein Weltstar erreicht diese Kennzahlen. Auch die MP3-Downloads stagnieren. Immer weniger Fans sind dazu bereit, sich das Album als MP3-Download für ca. 13,99 Euro zu kaufen. Stattdessen zahlt man lieber 9,99 Euro pro Monat an Spotify und kann so viele Titel hören wie man will. Dem Künstler bleibt nur noch eine Möglichkeit, um nicht als Hartz IV - Empfänger zu enden: Auftritte, Auftritte, Auftritte,...


Der Schein trügt

Besonders auf Facebook erfreuen sich die Schlagerstars großer Beliebtheit und lassen Challenges über sich ergehen, damit sie nicht ganz von der Bildfläche verschwinden. Liken und teilen - und alles am besten kostenlos. So wartet der eine oder andere Schlagerfan genüsslich auf die Veröffentlichung des Musikvideos auf YouTube, damit sein Lieblings-Titel kostenlos genossen werden kann. Schlagerstars bedanken sich bereits bei ihren Fans für 100.000 Streams eines veröffentlichten Titels. "Wow", denkt man sich: "Der muss ja richtig erfolgreich sein?!" 

© Foto: Matthew LeJune

Verdient wurden damit allerdings 340,00 Euro und die Single-Produktion kostete bereits nackt 1.500,00 Euro, ohne Promotion und Marketing. Das macht ein Minus von 1.160,00 Euro für einen Titel. Ein Armutszeugnis, der in den Social Media Netzwerken ignoriert und toleriert wird. Künstler sind dazu gezwungen, der Trendwelle des Konsums zu folgen, wenn der Streaming-Gigant Spotify den Aktienmarkt diktiert. Willkommen im "Bla-Bla-Land" Spotify ist das neue Karstadt-Sharing im Bla-Bla-Land. Das schwedische Unternehmen ist seit dem Lounge seines Dienstes 2008 Marktführer beim Musikstreaming. Anfang 2020 verzeichnetet Spotify rund 286 Millionen aktive monatliche Nutzer. Trotz der zahlreichen Abonnementen wurden fast immer nur Verluste in Millionenhöhen geschrieben. Der Streaming-Gigant mit einer viertel Millionen Nutzer ist nicht rentabel. Ende 2016 verzeichnete Spotify ein Minus von 85 Millionen Euro. Die Talfahrt ging bis Ende 2017, mit einem Minus von 596 Millionen Euro, weiter bergab. Das war der tiefste Stand in der Streaming-Geschichte. Bis Ende 2018 konnte sich Spotify etwas aufrappeln und schaffte sogar ein Plus von 442 Millionen Euro, bevor das schwedische Unternehmen ende 2019 ein erneutes Minus von 209 Millionen Euro einfuhr.

 
Aus Spotify wird Bankrottify

Der Grund für die Millionen-Verluste liegt tief verwurzelt im Geschäftsmodell von Spotify. So schrieb u. a. die ZEIT: "Spotifys Problem ist, dass zu viele Leute zu viele Lieder über die Plattform hören. Die Zahlungen an die Musikverwertungsgesellschaften (…) übersteigen bei weitem die Einnahmen aus Abo-Gebühren und Werbespotverkauf." Spotify bezahlt den Musikrechteinhaber pro abgespielten Song. Wenn also mehr Menschen Musik hören, sorgt das nicht nur für mehr Einnahmen, sondern auch für mehr Ausgaben. Zugleich wird der Künstler mit einem Sklaven-Betrag von 0,3 Cent pro Titel abgespeist ohne abzügl. Label-Anteil). Das klingt alles nach einer ziemlich dummen Geschäftsidee, die aber nicht nur auf dem Mist von Spotify gewachsen ist. So wurde auf der Seite businessinsider.de publiziert: "Eine Besonderheit der Musikindustrie ist, dass fast neun von zehn Liedern von den drei größten Major-Labels stammen: Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Entertainment. Das schafft eine immense Abhängigkeit."

© Foto: Felix Graphy

Die Problematik der Abhängigkeit geht noch weiter in die Tiefe. Welt.de schrieb diesbezüglich: "Wenn nur ein weltweit erfolgreicher Künstler (...) seine Musik von der Plattform zurückzieht, könnte das deutliche Auswirkungen auf den Aktienpreis haben." Das macht Spotify gewissermaßen erpressbar. Für Spotify bleibt es mittelfristig sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, mit Musikstreaming Gewinne zu erzielen.

 
Siegt die Gerechtigkeit?

Mit dem Geschäftsmodell des Streaming-Giganten Spotify wurde das leistungsgerechte Einkommen der Musiker gänzlich ausgerottet. So schrieb heute u. a. Mickie Krause auf Facebook, wenn auch zynisch: "Spotify! Hab heute 3,50 erwirtschaftet! Das werden wir feiern! Ab zu MC Donalds!😎 @ El Arenal, Islas Baleares, Spain."

Die Frage die man sich stellen mag, lautet: "Wie lange kann und will Spotify die Millionen-Verluste noch stemmen können?" Weil das Musik-Streamen für Spotify selbst den Bankrott bedeutet, setzt der Schwede auf Podcasts, die ausgesprochen profitabel sind, weil hier keine Labels involviert sind. So kauft Spotify, wie in einem verpackungsfreien Supermarkt, direkt bei den Podcastbetreibern ein und kann bessere Deals aushandeln. Vielleicht bleibt so die Zukunft der Musiker-Ausbeute vorab gesichert? 

Spotify: Wir wollen dich mit deinem Podcast bei uns haben.
Podcaster: Was bekomme ich dafür?
Spotify: Einen Appel und 'n Ei. 

So müssen Podcastbetreiber nicht wie Musiker per Play bezahlt werden. Es sind sogenannte lukrative Pauschal-Deals möglich.

Spotify: Super, dein Podcast ist bei uns ein voller Erfolg. 
Podcaster: Was verdiene ich dann jetzt?
Spotify: Du bekommst dafür einen Appel und 'n Ei. Hahaha...

Auch in der Werbeschaltung sieht Spotify einen Mehrwert. So schrieb Meedia.de: "Nach Einschätzungen des Finanz-Beratungsunternehmens Guggenheim Partners sollen die durch Podcasts erzielten Werbeumsätze im kommenden Jahr bereis die Marke von einer Milliarde Doller knacken."

© Foto: Austin Distel 

Mit dem Tool "Spotify Podcast Ads" will Spotify mit zielgerichteter, interessenbezogener Werbeschaltung "YouTube" kopieren. "Werbeinhalte und Podcast sind entkoppelt, so dass verschiedene Werbepartner den Podcast für jeweils andere Zielgruppen oder an anderen Tagen belegen können." kommentierte Sven Bieber (Head of Sales Germany bei Spotify, wuv.de). Aber wie will Spotify im Detail anstellen, Podcasts als zweites Standbein zu etablieren? Ganz einfach: Die Mutter der Streamingportale will Podcasts mit Musik verknüpfen. Spotify wird von seinen Höhrern nach wie vor wegen der Musik genutzt. Seit Herbst 2019 gibt es z. B. die Funktion Dealy Drive. Das ist eine Playliste, basierend auf den Vorlieben des jeweiligen Users, zusammengestellt mit einem Mix aus Podcasts und Musik. Vergleichbar mit einem Radioprogramm erhofft sich Spotify, dass deutlich weniger Musik gehört und gleichzeitig monetarisiert werden kann.

Mit dem neuen Geschäftsmodell "Podcasts" macht sich Spotify nicht nur Freunde und steht erneut in Kritik von Realkeepern, weil Spotify-Podcasts keine wirklichen Podcasts sind. Spotify bietet nämlich keine RSS-Schnittstelle an, mit der Podcasts im Internet überall abrufbar und abonnierbar sind. Die sogenannten exklusiven Spotify-Podcasts kann man sich nur bei Spotify anhören und das finden prominente Podcaster problematisch.
 
Wenn die Titanic sinkt...

© Foto: Noaa

Als Resumé kann man sich nur fragen: Wie groß ist der Einfluss des schwedischen Unternehmens Spotify auf den Musik- und Podcast Markt und wird irgendwann die Gerechtigkeit wieder siegen, wenn die Titanic untergeht? 

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