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TELAMO und die Jubiläumsflut: Wenn jedes Jahr ein Jubiläum ist

06. Jul 2025, Mirco Clapier

TELAMO und die Dauer-Jubiläen: Marketing mit langem Bart
TELAMO und die Dauer-Jubiläen: Marketing mit langem Bart
© DEERBRANDS
Schlager TV und Medien Kultur

Warum bei TELAMO jeder Schlager-Release plötzlich ein Jubiläum ist – und was hinter der inflationären Jubiläumsstrategie steckt.

Die Künstlerinnen und Künstler bei TELAMO scheinen eines gemeinsam zu haben: Sie feiern unentwegt Jubiläen. Fünf Jahre hier, zehn Jahre da, zwanzig Jahre dort – ganz gleich, ob der Künstler zuvor in der Versenkung verschwunden war oder in diesen Zeiträumen eher auf Sparflamme lief. TELAMO kann es einfach nicht lassen, jedem neuen Release eine „große Jubiläumszahl“ voranzustellen – selbst wenn der musikalische Lebenslauf eher einem welligen Zeitstrahl gleicht als einer durchgehenden Karriere.

Natürlich ist Jubiläumsmarketing im Schlager kein neues Phänomen. Doch was bei Künstlern wie Roland Kaiser oder Andrea Berg auf einer echten, kontinuierlichen Bühnenhistorie basiert, wirkt bei TELAMO immer öfter wie ein strategisch platzierter Aufkleber auf der Verpackung: „20 Jahre Musik!“, „15 Jahre Bühne!“, „10 Jahre Leidenschaft!“ – auch wenn der letzte öffentliche Auftritt im verregneten Stadtpark bereits sechs Jahre zurückliegt.

Schlager-Label TELAMO – Verheiratet mit der Wiederholung der wiederholten Gefühle

Der Trick ist einfach und frech zugleich: Jubiläen versprechen Emotionen, Rückblicke, Sentimentalität – und idealerweise auch eine Kaufentscheidung. Man verbindet das „große Jubiläum“ mit einem Best-of-Album, einer Neuauflage, einer TV-Show, einer Amazon-Vorbestellaktion. Und hofft darauf, dass das Publikum bei so viel Nostalgie weich wird.

Das Problem? Es nutzt sich ab. Was einst wie ein verdienter Meilenstein gefeiert wurde, wirkt mittlerweile wie ein Routinegriff ins Marketing-Handbuch. Kaum ein Künstler, der nicht mit irgendeinem Jubiläum in der Pressemitteilung auftaucht. Ob es sich um die erste CD, den ersten Plattenvertrag, das erste Livekonzert oder den ersten Apfelstrudel auf Tour handelt – Hauptsache, es sind zehn oder zwanzig Jahre seitdem vergangen.

Heute werden die Jubiläumsjahre sogar mitgezählt, wenn ein Sänger irgendwo in der Pampas mit drei Jahren auf einem Keyboard klimperte und „La, la, la“ brabbelte – und schwupps: Auf dem Debütalbum via TELAMO prangt stolz das „25-jährige Bühnenjubiläum“?!

Ein weißer Bart und die Frage nach der Relevanz aus dem Hause TELAMO

Der lange weiße Bart dieser Strategie ist unübersehbar. Statt neue künstlerische Entwicklungen in den Vordergrund zu stellen, wird auf vergangene Daten zurückgegriffen. Relevanz wird ersetzt durch Rückblick. Doch wer nur zurückschaut, bewegt sich nicht vorwärts. Und das ist gerade in einem sich wandelnden Musikmarkt gefährlich.

TELAMO hat fraglos Künstlerinnen und Künstler im Portfolio, die es verdient hätten, über Inhalte, Innovation oder persönliche Geschichten wahrgenommen zu werden. Doch wenn jede zweite Presseinfo mit einem Jubiläum beginnt, wird selbst das echte Jubiläum irgendwann belanglos. Es verliert seinen Wert.

Jubiläum – oder doch nur Verkaufsversuch?

Kritisch wird es, wenn der Begriff „Jubiläum“ als Verkaufsinstrument missbraucht wird, ohne dass er Substanz hat. Wenn Künstler, die über Jahre kaum stattgefunden haben, plötzlich „25 Jahre Karriere“ feiern, obwohl davon zehn Jahre Funkstille herrschte. Das Publikum merkt das. Und es stellt sich zu Recht die Frage: Geht es hier noch um Musik – oder nur um Marketing?

Weniger wäre mehr

Natürlich darf und soll man Erfolge feiern. Aber nicht jeder Release braucht einen runden Anlass, um Bedeutung zu haben. Manchmal reicht ein guter Song, eine starke Message oder einfach ein ehrliches „Hier bin ich wieder“. Wenn TELAMO den Mut hätte, öfter auf authentische Inhalte statt auf Jubiläumsetiketten zu setzen, wäre das vielleicht der größere Erfolg – auch langfristig.

Bis dahin heißt es: Happy Jubiläum. Zum gefühlt millionsten Mal. Und ganz ehrlich Mister und Misses TELAMO? – Lasst euch etwas neues einfallen! 

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