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Paukenschlag: Alexander Egger scheitert vor Gericht – doch der Streit um die Oktoberfest-Zelte wird immer brisanter

21. Mai 2026

Schlagerwelt Redaktion / Chefredaktion Deine Schlagerwelt Redaktion / Chefredaktion

Oktoberfest: Egger scheitert vor Gericht – Streit um Festzelte eskaliert
Oktoberfest: Egger scheitert vor Gericht – Streit um Festzelte eskaliert
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Rückschlag für Wiesn-Wirt Alexander Egger: Die Vergabekammer weist seinen Angriff auf die Oktoberfest-Zelte zurück. Der Streit eskaliert weiter.

Der juristische Großangriff auf das Münchner Oktoberfest ist vorerst gescheitert. Wiesn-Wirt Alexander Egger kassierte am Donnerstag vor der Vergabekammer Südbayern eine empfindliche Niederlage. Sein Versuch, die Vergabe der wichtigsten Oktoberfest-Zelte – u. a. das große Paulaner Festzelt – juristisch zu kippen, blieb ohne Erfolg.

Doch obwohl die Stadt München zunächst aufatmen kann, ist der Konflikt noch lange nicht beendet. Hinter den Kulissen wächst inzwischen die Sorge, dass der Wiesn-Streit endgültig zu einem Machtkampf um die lukrativsten Plätze auf der Theresienwiese eskaliert.

Vergabekammer weist Eggers Angriff auf Wiesn-Vergabe zurück

Im Mittelpunkt des Verfahrens standen zwei absolute Prestige-Adressen des Oktoberfests: das Schottenhamel-Festzelt und das Paulaner-Festzelt. Egger wollte erreichen, dass die Vergabe der Großzelte europaweit ausgeschrieben werden muss – ein Schritt, der das traditionelle Münchner Vergabesystem massiv verändert hätte.

Die Vergabekammer Südbayern folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Nach Auffassung der Richter greift das europäische Vergaberecht bei der Vergabe der Wiesn-Zelte nicht. Die Stadt München darf deshalb vorerst weiter nach ihrem bisherigen Punktesystem entscheiden. Für das Münchner Rathaus und die etablierten Festwirte ist das ein wichtiger Etappensieg.

Brisant: Eggers Bewerbung soll die niedrigste Punktzahl gehabt haben

Besonders pikant an dem Verfahren: Nach Angaben aus den Medien lag Eggers Bewerbung im offiziellen Bewertungssystem offenbar deutlich hinter den konkurrierenden Bewerbern. Seine Unterlagen sollen die niedrigste Punktzahl erhalten haben. Den Zuschlag für das Paulaner-Festzelt erhielt stattdessen der neue Festwirt aus dem offiziellen Bewerbungsverfahren der Münchner Traditions-Brauerei. Nach Einschätzung aus Wiesn-Kreisen vor allem deshalb, weil seine Bewerbung die überzeugendste Gesamtbewertung erreicht haben soll.

Trotzdem zog der Betreiber der „Münchner Stubn“ vor Gericht – und attackierte damit gleich das gesamte Vergabesystem der Wiesn. Genau das sorgt inzwischen in der Münchner Gastro-Szene für heftige Diskussionen.

Kampf für Fairness – oder Kampf um ein großes Festzelt?

Egger selbst begründet seinen juristischen Vorstoß mit Transparenz und Chancengleichheit bei der Vergabe der Wiesn-Zelte. Doch hinter den Kulissen wird längst eine andere Frage diskutiert. Denn viele Beobachter fragen sich inzwischen, ob es bei dem spektakulären Rechtsstreit tatsächlich um ein grundsätzliches Fairness-Thema geht – oder vielmehr um den Versuch, sich doch noch Zugang zu einem der ganz großen Festzelte zu verschaffen?

In der Münchner Wiesn-Szene ist jedenfalls spürbar, dass der Konflikt zunehmend persönlicher wird. Der Eindruck wächst, dass hier nicht nur ein Vergabeverfahren angegriffen wird, sondern ein jahrzehntelang gewachsenes Machtgefüge der Wiesn.

Brisante Wiesn-Vergangenheit sorgt für zusätzliche Diskussionen

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt dabei auch die Vorgeschichte rund um die „Schützenlisl“ auf der Oidn Wiesn. Die Wirtsfamilie Lorenz und Christine Stiftl hatten die traditionsreiche Schützenlisl® über Jahre betrieben, bevor sie das Zelt schließlich abgaben. Bereits zuvor gehörte die Familie zu den bekannten Namen auf dem Oktoberfest: Mit der Hendlbraterei „Zum Stiftl“ waren die Stiftls lange Zeit selbst auf der großen Wiesn vertreten. Erst nach dem Wechsel auf die Oidn Wiesn wurde die frühere Hendlbraterei „Zum Stiftl“ an Alexander Egger verkauft und zur „Münchner Stubn“ umbenannt.

Genau deshalb wird in der Branche nun besonders aufmerksam registriert, dass Egger ausgerechnet jetzt gegen die Vergabe des Paulaner-Festzelts vorgeht – und parallel auch noch juristisch gegen die Vergabe der Schützenlisl® vor dem Verwaltungsgericht München kämpft. Denn auch dort blieb seine Bewerbung letztlich ohne Zuschlag. Kritiker des Vorgehens verweisen allerdings darauf, dass die Eggers bereits seit Jahren auf der Wiesn vertreten sind und die grundsätzliche Kritik am Vergabesystem nun ausgerechnet nach den jüngsten erfolglosen Bewerbungen besonders offensiv vorgetragen wird.

Die Unsicherheit bleibt trotz des Urteils bestehen

Ganz beendet ist der Streit allerdings nicht. Denn Egger kann innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Bayerischen Obersten Landesgericht einlegen und hatte dies auch im Vorfeld angekündigt. Bis zum Ablauf dieser Frist darf die Stadt München die endgültigen Verträge für die betroffenen Großzelte weiterhin nicht rechtskräftig abschließen. Nur eine vorläufige Gestattung steht im Raum. Für die betroffenen Festwirte und hunderte Mitarbeiter beginnt damit eine nervöse Hängepartie mitten in der heißen Vorbereitungsphase für das Oktoberfest 2026. 

Zweite Klage gegen die Schützenlisl läuft bereits

Zusätzlich verschärft ein weiteres Verfahren die Lage. Parallel zum Streit um die Großzelte geht Egger inzwischen auch gegen die Vergabe der „Schützenlisl“ auf der Oidn Wiesn vor. Dieses Verfahren läuft separat vor dem Verwaltungsgericht München und wird von der aktuellen Entscheidung der Vergabekammer nicht beeinflusst. Damit entwickelt sich der Konflikt zunehmend zu einem der explosivsten Wiesn-Streitfälle der vergangenen Jahre.

Wiesn-Vergabe wird plötzlich zum Politikum

Der Fall sorgt inzwischen weit über die Münchner Gastro-Szene hinaus für Aufmerksamkeit. Während Kritiker das bisherige Vergabesystem seit Jahren als zu geschlossen betrachten, warnen viele Wiesn-Insider eindringlich vor den Folgen einer europaweiten Ausschreibung der Festzelte. Denn sollte die Vergabe künftig für internationale Konzerne oder ausländische Brauereigruppen geöffnet werden, könnte das nicht nur die traditionelle Münchner Wiesn-Kultur grundlegend verändern, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Stadt haben.

Hinter den Kulissen wird deshalb zunehmend argumentiert, dass das Oktoberfest bewusst eng mit Münchner Familienbetrieben, regionalen Brauereien und lokalen Wirten verbunden bleiben müsse. Denn genau diese Strukturen sorgen bislang dafür, dass Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen in München bleiben. Würden künftig internationale Betreiber oder externe Großkonzerne zum Zug kommen, könnte ein erheblicher Teil dieser wirtschaftlichen Effekte aus der Stadt abfließen.

Klar ist nach der Entscheidung vom Donnerstag deshalb vor allem eines: Beim aktuellen Wiesn-Streit geht es längst nicht mehr nur um einzelne Festzelte. Hinter dem juristischen Machtkampf steht inzwischen eine deutlich größere Frage: Soll das Oktoberfest auch künftig von Münchner Wirten, regionalen Brauereien und gewachsenen Familienbetrieben geprägt werden – oder droht langfristig eine Öffnung für internationale Großkonzerne mit völlig neuen wirtschaftlichen Interessen?

Titelfoto: KI-Illustration

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