Das Genre Schlager schneidet anteilig am Gesamtumsatz der Musikindustrie in Deutschland im Jahr 2021 schlecht ab

11. Aug 2022,

Das Genre Schlager schneidet anteilig am Gesamtumsatz der Musikindustrie in Deutschland im Jahr 2021 schlecht ab
© Michael Zargarinejad/imago images
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Die Umsätze der Musikindustrie in Deutschland lagen 2021 bei knapp 2 Milliarden Euro. Mit 24,4 % stellte das Genre Pop den größten Anteil, hingegen der Schlager mit 3,1% den viertletzten Platz.

Jubel und Heiterkeit trotz schlechter Zahlen

Wenn die Musikindustrie steigende Umsätze verzeichnet, jubeln die Schlagerfans am lautesten: "Der Schlager boomt wie nie zuvor", hört man an allen Ecken. Obwohl der Deutsche Schlager mit 19,7% den 3. Platz der beliebtesten Genres belegt, direkt nach Rock- und Popmusik (36,9%) und Oldies (31,9%), sorgen die schlechten Verkaufszahlen für einen viertletzten Platz auf der Umsatzskala, direkt nach Volksmusik (0,5%), Jazz (1,5%) und Klassik (1,9%).  Die Schlagerfans scheinen demnach nicht die Kauflustigsten zu sein. Da sind die Rock-Fans freakiger und sprengen die Umsätze, besonders bei den CD- und Vinyl-Verkäufen. 

Marktanteil Deutschland in %; GfK Entertainment; Basis: Umsatz zu Endverbraucherpreisen inkl. Mehrwertsteuer; physisch, Download und Premium Streaming; Genrezuordnung laut Phononet Produktanmeldung.

Die Umsätze der Musikindustrie in Deutschland lagen im Jahr 2021 bei knapp zwei Milliarden Euro und stiegen damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2020 um rund zehn Prozent an. Während der Umsatzanteil von physischen Tonträgern bei 23,6 Prozent lag, waren mit 76,4 Prozent rund drei Viertel der Umsätze aus dem digitalen Segment. Die digitalen Umsatzzahlen (Download- und Streamingportale) für das 1. Halbjahr 2022 zeigen sogar einen Zuwachs auf 80,2%. Der Umsatzanteil von Vinyl-Alben betrug sechs Prozent. 

Das Umsatzvolumen des digitalen Musikmarktes lag im Gesamtjahr 2021 in einer Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro und damit merklich über dem Vorjahresergebnis. Das Segment der  Aboservices und Musikstreamingplattformen (Audio-Streaming) war 2020 mit einem Umsatz von mehr als 1,13 Milliarden Euro maßgeblich an dem Wachstum der digitalen Sparte beteiligt.  

Trotz schlechter Umsätze gewinnt der Schlager an Zuwachs beim CD-Vertrieb

Während mit CDs vor zehn Jahren noch etwas mehr als 1 Milliarde Euro umgesetzt wurde, ist diese Summe seitdem um etwa zwei Drittel auf zuletzt 323 Millionen Euro gesunken. Im Vergleich zu 2020 gingen die CD-Umsätze um mehr als 60 Millionen Euro oder ein Sechstel zurück (–16,7 %). Zwar schwindet der Kuchenanteil am physischen Vertrieb zunehmend, jedoch legt der kleine Schlager um ein paar Prozentpunkte zu. Von 2010 bis 2021 steigen die CD-Verkäufe des Schlagers von rund 6% auf 13%. In den Bereichen Schlager und Volksmusik spielten die Schallplattenverkäufe dagegen keine Rolle, auch wenn zu den Alben-Releases die Dekor-Vinyl nicht fehlen durfte. Auch beim Streaming schneidet der Schlager mit 2% schwach ab. 

60,76 Millionen Euro Umsatz beim Schlager lässt noch lange kein Fazit zu

Umsatzanteil aus dem Musikverkauf im ersten Hj. 2022 %; GfK Entertainment; Basis: physische und digitale Verkäufe. 

Andere Schlagerportale schrieben, dass sich der Marktanteil des Schlagers seit 2014 (6,5%) praktisch halbiert hätte, erwähnen aber nicht, dass die Umsätze in den Jahren 2001 bis 2014 von 3,5% auf 6,5% angestiegen sind. Ein Fazit kann aus den andauernden Umbrüchen in der Musikindustrie nicht gezogen werden. Es muss aber allen bewusst sein, dass die goldenen Brunner & Brunner Zeiten, mit Album-Verkäufen im zweistelligen Millionenbereich, vorbei sind. Bemerkenswert ist aber, dass trotz Dumping-Preisen im Streaming-Segment ein solch hoher Umsatz erzielt werden kann. Das zeigt deutlich auf, dass heute weitaus mehr Musik konsumiert, nicht aber bezahlt wird, wie vor Jahrzehnten. Hatte ein Otto-Normalverbraucher im Jahr 2-3 CDs gekauft (Wert ca. 45 Euro für 36 Titel), gibt dieser heute durch das Abo beim Streaming-Anbieter für rund 80 Euro im Jahr das Doppelte aus; konsumiert aber dafür vergleichbar 500 Titel. Die Leitragenden sind alleine die Künstler, die in Zukunft die Gürtel noch enger schnallen müssen, weil ihre Leistungen nicht mehr bezahlt werden.  

Major-Labels streichen Album-Zuschüsse und veröffentlichen immer mehr Cover-Songs und Remixe

Der sich aus der Marktverschiebung ergebende Verteilungsschlüssel bietet kaum noch Spielraum für Investitionen. Das bekommen auch avisierte Schlagerstars zu spüren. Für Albumproduktionen, die bislang 60.000 Euro kosteten, stellt das Label nur noch 20.000 Euro zur Verfügung. Den Rest müssen manche Künstler aus der eigenen Tasche bezahlen. Darüber hinaus zeichnet sich eine Trendwelle der Cover-Musik ab. In den letzten drei Monaten wurden rund 65% der Veröffentlichungen durch Cover-Musik, sowie unzähligen Doppel-Remixen ersetzt. Schlagerstars müssen einen Schritt zurück gehen. DJs werden an die Front gehen, um beim Kampf gegen das Streaming-Zeitalter standhaft zu bleiben. - Aber nicht weil sie so toll sind, sondern weil sie einfach billiger sind.  

4Kommentare

  • !
    Julia Bach
    12.08.2022 08:36 Uhr

    Ja, es hat sich viel verändert auf dem Markt. Cover mag ich überhaupt nicht. Aktuell bin ich echt enttäuscht was so raus kommt. Da muss man Newcomer hören. Ich kann die Covers nicht mehr zählen. Und die ganzen dreifachen Remixe... Muss man das verstehen? Aus Alt mach Neu und dann werden die Hits noch verschandelt.

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  • !
    Hans-Ralf
    12.08.2022 21:44 Uhr

    Ja, das war mir klar, aber wen wundert es dass der Schlager bis 2014 zunahm und dann rapide abnahm. Bei den heutigen Veröffentlichungen wundert mich manches nicht. Natürlich gibt es tolle Künstler die noch Musik machen… aber ich mag langsam den zunehmenden Dance Schlager nicht mehr. Das hat nichts mehr mit "Schlager" zu tun. Ich höre inzwischen öfters Singer-Songwriter oder Deutsch-Pop Musik. Ich denke aber, die Künstler können nichts dafür! 😎👌

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  • !
    Anette Sass
    12.08.2022 21:47 Uhr

    Meine kleine Familie die zusammenhält, weniger Geld hat aber die Schlagermusik liebt ❤️❤️❤️❤️ Ist doch besser als 1 Milliarde Euro.
    Liebe Grüße Anette

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  • !
    Beate
    12.08.2022 22:12 Uhr

    Ich liebe Schlager und das bleibt auch so. Wenn nichts neues gescheites kommt, umso mehr höre ich die alten Hits! Schon interessant, dass der Schlager so beliebt ist in der Statistik, aber so schlechten Umsatz macht. Nun ja, ich stehe dazu!
    Gruß
    Beate

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